Wie alles begann
 

Erstmalig ist im Ortsgerichtsbuch vom 23. Juli 1824 erwähnt, dass in Groß-Rohrheim Gerätschaft zum Feuerlöschen, sprich „eine Feuerspritz“ vor Ort war, mit deren Hilfe an diesem Tage ein Brand in der Pfarrscheune erfolgreich bekämpft werden konnte.

Nicht so viel Glück hatten die Einwohner im September 1879, als ein Großbrand mehrere Scheunen in der Rheinstraße zerstörte. Dies veranlasste Bürgermeister Göbel und Bäckermeister Phillip Stumpf, die Initiative zu ergreifen, die am 02. Oktober 1879 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr führte. Leider verlieren sich in den Jahren danach die Aufzeichnung in den Wirren der damaligen Zeit. Schriftliche Aufzeichnungen stehen erst wieder ab 1928 zur Verfügung. Von der damaligen Gründungswehr sind nur die Gründungsurkunde und die erste Satzung vorhanden. Mündliche Überlieferungen berichten, dass fast 50 Mann zur Wehr der ersten Stunde gehörten, von denen heute nur noch sechs namentlich bekannt sind.

1929 hielt der erste Rechner der Wehr, Johann Baumann, die mündlichen Überlieferungen erstmals schriftlich fest. Es wurde u.a. berichtet, dass eine „Druckspritze“, sowie zwei „Handspritzen“ gekauft worden waren. Er beschrieb die damaligen Uniformen genauso, wie die Gegebenheit, dass die Torhalle und der Hof des Bürgermeisters (heute das Rathaus) als Übungsplatz dienten. Überliefert ist auch, dass jedes Mitglied der Einsatzabteilung 1 DM Eintrittsgeld, sowie einen monatlichen Betrag von 20 Pfennigen, zu zahlen hatte. Mit diesem Obolus sollten die laufenden Kosten gedeckt werden.

Ihre große Bewährungsprobe hatte die noch junge Wehr im September 1884, als ein Großbrand 28 Gebäude vernichtete, darunter 17 prall gefüllte Scheuen. Schon damals gab es nachbarschaftliche Löschhilfe und mit Hilfe der Wehren aus Biblis und Gernsheim konnte verhindert werden, dass der halbe Ort in Schutt und Asche fiel. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr hatte sich bezahlt gemacht.

Bis in die Jahre 1907/1908 ging es stetig bergauf. Doch dann kam der Einbruch. Die Wehr blieb führerlos und schmolz bis auf wenige Kameraden in der Einsatzabteilung zusammen. Peter Lautenbach I als neuer Kommandant, schaffte es 1909, das Ruder herumzureißen. Es existiert ein Bild, welches die wieder erstarkte Wehr, nebst neu gegründeter Feuerwehrkapelle, im Jahr 1913 zeigt.

Der Erste Weltkrieg machte diese Glückssträhne allerdings zunichte. Übrig blieb nur eine kleine Pflichtmannschaft, aus der später einige Kameraden in die Freiwillige Wehr übertraten. Im Jahr 1928 standen  wieder 82 Männer im Dienste von St. Florian
 
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges brachte die nächsten Einschnitte in die Aktivitäten der Wehr. Die wenigen, an der Heimatfront verbliebenen Männer mussten sich mit ganz anderen Dingen herumschlagen. Zum Glück blieb unser Ort in diesen Jahren von größeren Brand-katastrophen verschont - von kriegs-bedingten Ereignissen mal abgesehen.

Allerdings zeigten sich die Spuren der Zeit nach dem Krieg: viele Kameraden waren mittlerweile zu alt, kriegsversehrt oder einfach nicht mehr Willens, eine Uniform zu tragen. Es kam zur Gründung der Alters- und Ehrenabteilung und dem Vorstand blieb Ende des Jahres 1945 nicht anderes übrig, als wieder eine Pflichtmannschaft einzuberufen.

Hier sei erwähnt, dass die Umsicht des Kameraden Phillip Bode unserer Wehr einen kleinen "Schatz" erhielt: während eines Fronturlaubes vergrub er unser Banner, sprich die Fahne, gut verpackt in seinem Garten, um sie vor den Zugriffen der aliierten Militäreinheiten zu schützen.
Im Jahr 2001 wurde die Fahne aus Vereinsmitteln restauriert und ist nach wie vor der Stolz unserer Wehr.

Der Alltag kehrte wieder und unsere Wehr wurde wieder aufgebaut und ausgestattet. Im Jahr 1952 wurde das alte "Spritzenhaus" an der heutigen Lindenhofschule für zu klein und baufällig erklärt. Es sollte aber noch 14 Jahre dauern, bis das neue Domizil in der Jahnstraße bezogen werden konnte.

Das nächste, für die Wehr relevante Datum ist der 17. Oktober 1967, als Ortsbrandmeister Helmut Bingel die Jugendfeuerwehr aus der Taufe hob. Damit bestand die Feuerwehr Groß-Rohrheim aus drei Abteilungen: Einsatzabteilung, Alters- und Ehrenabteilung und Jugendfeuerwehr.

Leider verloren wir in den folgenden Jahren unsere Musikgruppen. Nach dem Fanfarenzug löste sich der Spielmannszug auf, weil nicht mehr genug Musiker vorhanden waren.
Es kam zur Gründung eines Jugend-spielmannszug, der aber leider auch nicht bis heute überdauert hat. Schade - wenn man bedenkt, dass sich die Groß-Rohrheimer Spielmannszüge auf vielen Fastnachtsumzügen und dergleichen, einen Namen gemacht hatten....

In den nächsten Jahren folgte "Feuerwehralltagsgeschäft": Vorstandswechsel, Anschaffungen, 1976 Löschhilfe beim Waldbrand, immer wieder Hochwasser und natürlich auch Brandeinsätze. 1985 wurde das Gerätehaus um zwei Stellplätze erweitert, wobei viele Kameraden tatkräftig zupackten.

Das neue Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 wurde 1995 in Dienst gestellt, welches noch heute Dreh und Angelpunkt unserer Wehr ist.

Im Jahr darauf fiel ein Schatten auf die Geschichte unserer Wehr, als sich ein gesuchter Brandstifter als eigener Kamerad entpuppte.

Der Feuerwehrverein wurde 1997 gegründet und die angedachte Sanierung des in die Jahre gekommenen und durch Setzrisse geschädigten Gerätehauses, machte schnell klar, dass eine Sanierung hier keine Abhilfe mehr schaffen würde. Und so wurde ein Gerätehaus Neubau in Planung genommen - was allerdings noch viele Jahre in Anspruch nehmen sollte.

Im Frühjahr 1999 wurde in unserer Wehr abermals Geschichte geschrieben, als man sich entschloss, sich dem Fortschritt nicht zu verschließen und Frauen in die Einsatzabteilung aufzunehmen. Gleiches galt natürlich für Mädchen und die Jugendfeuerwehr. Bis zum heutigen Tag gibt es immer wieder weibliche Wesen, die sich der Herausforderung Feuerwehr erfolgreich angenommen haben und damit ihren Platz in der Einsatzabteilung gesichert haben.

Im März 2001 fiel der Entschluss, das neue Feuerwehrhaus auf dem Platz des alten zu bauen. Der erste Spatenstich für die neue Unterkunft, in die das Deutsche Rote Kreuz mit einziehen sollte, wurde im Februar 2003 gemacht. Für die Kameraden der Wehr kam eine unbequeme Zeit - sie mussten mit Sack und Pack in ein wenig komfortables Ausweichquartier umziehen. Und sie mussten doch ein wenig wehmütig mit ansehen, wie die alte Unterkunft der Abrissbirne zum Opfer fiel.

Die Zeit im "Exil" dauerte zum Glück nicht lange und bereits um November 2003 konnte das neue Domizil bezogen werden: eine Unterkunft, die den Bedürfnissen einer modernen Wehr gerecht werden sollte. Heutzutage spricht man nicht mehr von "Gerätehaus" sondern von "Feuerwehrhaus", denn die Unterkünfte erfüllen heute mehr Aufgaben, als das bloße Lagern von "Gerät" - wie z.B. der vorhandene Schulungsraum deutlich macht. Mehr denn je ist Aus- und Weiterbildung gefragt, denn in der heutigen Zeit entstehen täglich neue Gefahren, die erkannt und abgeblockt werden müssen.

Im April 2004 wurde das Feuerwehrhaus offiziell seiner Bestimmung übergeben, im Oktober desselben Jahres feierten wir unser 125jähriges Bestehen.
In den letzten Jahren drückten uns wieder Personalprobleme. Immer weniger Männer und Frauen sind zum Dienst an St. Florian bereit. Der demografische Wandel und die immer härter werdende Arbeitswelt hinterlassen ihre Spuren. Kaum ein Arbeitgeber hat heute noch Verständnis, wenn ein Feuerwehrangehöriger nicht oder zu spät zur Arbeit kommt oder für einen Lehrgang frei gestellt werden will. Ganz nach dem Motto: "Feuerwehr? Das sollen doch bitte die anderen machen!"
Mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung wurde eine Werbekampagne gestartet, die vor allem auch die jungen Mitbürger ansprechen sollte. Mit Erfolg, wie sich herausstellte. Die Stärke der Einsatzabteilung wuchs wieder und das Thema "Pflichtfeuerwehr" konnte vom Tisch genommen werden. Wie sich das ganze in den folgenden Jahren weiter entwickeln wird, kann niemand sagen.

Auch die Jugendfeuerwehr leidet unter rückläufigen Zahlen. Viele Jugendliche sind in Alter von 10 Jahren eben schon in anderen Vereinen "groß geworden" und lassen sich nicht mehr so leicht für die Feuerwehr begeistern. Mannigfaltige Interessen lassen wenig Spielraum. Also waren Ideen gefragt. Und so wurden im April 2007 die "Löschzwerge" gegründet - eine Kindergruppe von 4 bis 9 Jährigen, die bei Spiel und Spaß ein wenig "Feuerwehrluft" schnuppern und sich hoffentlich später für die Jugendfeuerwehr und den Einsatzdienst begeistern können.

Zwischenzeitlich gab es auch wieder einen Fahrzeugwechsel. Das MT-F (Mannschafts-transportfahrzeug) ergänzte den Fuhrpark und nahm für die nächsten Jahre die alle einsatzrelevanten Unterlagen auf.
Unser altgedientes LF 8 war in die Jahre gekommen und wurde 2005 durch ein LF 10/6 ersetzt, welches wegen der hohen Anschaffungskosten eines Löschgruppen-fahrzeugs, zum Teil über den Katastrophen-schutz Hessen finanziert wurde. Im Jahr 2010 kam der ELW 1 neu hinzu - ein rollendes Büro mit jeder Menge Nachschlagewerke.

Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, sieht man an der neuesten Gruppe der Feuerwehr. Seit Mai 2011 bestehen die HvO, Helfer vor Ort. Ihre Aufgabe ist es, bis zum Eintreffen des Notarztes und/oder des Rettungswagens, medizinische Ersthilfe zu leisten. Die Einsatzhäufigkeit hat selbst uns überrascht und lässt erkennen, wo hier auf "dem Land" bei der Versorgung Probleme entstehen. Die HvO sind rein Spenden finanziert und werden von Seiten des Feuerwehrvereins unterstützt. Ihr Einsatzfahrzeug wird allerdings nur selten in der Fahrzeughalle zu sehen sein, denn es ist ein Bereitschaftsfahrzeug und steht als solches beim Dienst habenden "First Responder" vor der Tür (oder der Arbeitsstelle).

(Stand Oktober 2011)

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Diese Bilder stammen aus privatem Besitz und sind für die Erstellung der Chronik zur Verfügung gestellt worden.

Es handelt sich hier um Kopien aus alten Festschriften, weshalb die schlechte Qualität zu entschuldigen ist.


Ein lachendes und ein weinendes Auge hatten viele Kameraden in diesen Tagen....vom Schlauchturm steht nur noch das Gerippe.


Erfolgreiche Kinderfeuerwehr: Auszeichnung Feuerwehr des Monats Februar 2008


Der ELW 1 wird 2010 in Dienst gestellt.


Das Team der HvO = Helfer vor Ort


Die komplette Chronik bis zum Jahr 2004 ist nachzulesen in der Festschrift zum 125 jährigen Bestehen unserer Wehr.
Quellen: Chronik von  1879 - 1979 aufgezeichnet von Helmut Bingel
                Chronik von  1979 -  2004 aufgezeichnet von Andreas Ahl
                Chronik seit  2004 + Zusammenfassung, aufgezeichnet von Karin Matiasch