Welche Arten von Feuerwehren gibt es?

Groß-Rohrheim hat eine Freiwillige Feuerwehr (FF). Doch, was ist eine Freiwillige Feuerwehr?

Leider hört man immer wieder die landläufige Meinung, eine Freiwillige Feuerwehr wäre gar keine "echte" Feuerwehr, sondern so eine Art "Feierwehr", die nur viel Geld kostet und ansonsten das gesellschaftliche Leben der Ortschaft mitgestaltet. Da fallen schon mal Sprüche wie "wir warten lieber auf die richtige Feuerwehr" oder "Du bist bei der Feuerwehr? Bei der richtigen oder bei so einer freiwilligen?" Gibt es wirklich einen Unterschied, außer in den Köpfen einiger Leute? Geht es nicht überall um dasselbe?
 

 In Deutschland kennen wir vier Feuerwehrformen:

 Freiwillige Feuerwehr (FF

Die Freiwillige Feuerwehr ist der Zusammenschluss von Männern und Frauen mit dem Bestreben, in Not geratenen Mitbürgern zu helfen und Gefahren von Mensch, Tier oder Sachgegenständen abzuwehren. Sie verrichten ihren Dienst unentgeltlich und investieren sehr viel Zeit neben ihrem Hauptberuf oder ihrer Ausbildung, um den vielfältigen Einsätzen, wie sie vorkommen können, gerecht zu werden.                                                                                                                                                                                             Die FF ist 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, zum Schutze der Bevölkerung da, alarmiert von der zuständigen Leitstelle per Funkmeldeempfänger, Alarm SMS oder Sirene.

Im Kreis Bergstraße gibt es gegenwärtig 97 Freiwillige Feuerwehren und 3 Werkfeuerwehren.

 Berufsfeuerwehr (BF)

findet man in Städten ab 100.000 Einwohnern. Die Wachen sind über das Stadtgebiet verteilt, damit auch in Ballungszentren die Hilfeleistungsfrist eingehalten werden kann. Natürlich ist bei den Kollegen der Berufsfeuerwehr einiges mehr los, was die Einsätze anbelangt. Sowohl an Einsatzmenge, wie auch Einsatzvielfalt. Das ist ja auch nur logisch, denkt man mal darüber nach. Und außerdem besetzen die Kollegen der BF meist auch noch den Rettungsdienst, also den RTW.                                                                                       Aber warum gibt es in diesen Städten auch eine Freiwillige Feuerwehr? Man hat doch schließlich eine BF...                                                                                                                                                                                                  Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: auch hier kann es personell schnell mal "hängen", wenn ein Einsatz z.B. mal länger dauert oder gerade Urlaubszeit ist. Die Personaldecke bei den Berufsfeuerwehren ist meist dünn. Auch wird immer wieder der Rotstift angesetzt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Was wäre wohl, wenn der Berufsfeuerwehrmann mitten im Brandeinsatz das Strahlrohr zu macht und sich verabschiedet: "Ich habe jetzt Feierabend!". Oder, es treffen mehrere Ereignisse im Zuständigkeitsgebiet zusammen?                                                                                                                                                                               "Tut mir leid, dass wir Sie nicht aus dem Autos raus holen können, aber wir müssen gerade einen Wohnblock löschen! Halten Sie noch ein paar Stunden aus?"  ???                                                                                    Großeinsätze oder Großschadenslagen (z.B: Unwetter) werden schnell Personal intensiv. Hier arbeiten die Berufs- und die Freiwilligen Feuerwehren zusammen.
Je nach Örtlichkeit kann es auch vorkommen, dass die Wachen der Freiwilligen Wehr näher an der Einsatzstelle sind. Wichtig ist, dass schnelle Hilfe geleistet wird.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Die Notfälle sind dieselben, die Feuer genauso heiß, Unfälle können genau so schwer sein und Unwetter machen auch keinen Unterschied zwischen Stadt und Land. Der Mutter, die vor dem brennenden Haus steht und ihr Kind vermisst, ist es auch egal, ob da nun BF oder FF kommt - Hauptsache, es kommt jemand und holt das Kind dort raus. Darum investieren die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren viel von ihrer Freizeit für Übungen und Ausbildungen. Neben ihrem Hauptberuf. Darum macht der Berufsfeuerwehrangehörige (es gibt ja schließlich auch auf beiden Seiten Frauen, die ihren Dienst verrichten) seine Ausbildung. Während ihm/ihr vielleicht der Kopf noch vom letzten Einsatz oder der unterbrochenen Schulung qualmt, hat sich der Freiwillige vielleicht gerade eben noch mit Problemen in seinem Beruf herum geschlagen. Eines haben sie auf jeden Fall gemeinsam: sie müssen blitzschnell gedanklich umschalten und sich auf die veränderte Situation einstellen. Und sie tun es aus dem selben Grund: in Notlagen zu helfen. Und dabei gehen sie, wenn es sein muss, bis an die eigene Leistungsgrenze.

Gegenwärtig gibt es etwa 100 Berufsfeuerwehren in Deutschland. Uns am nächsten gelegen, in     Mannheim und Darmstadt. Alle anderen Gebiete liegen in der Zuständigkeit der Freiwilligen Wehren, mit über 1 Mio Feuerwehrleuten.
Das bedeutet, rund 96 % des Brandschutzes werden von Freiwilligen Feuerwehren geleistet.

 Werkfeuerwehr (WF)

Werkfeuerwehren sind keine öffentlichen Feuerwehren, zu denen BF, FF und Pflichtfeuerwehr zählen. Ihr Wirkungskreis ist den Bedürfnissen des Werkes angepasst (z.B. Chemieunfälle), die Ausbildung ist die selbe, die BF und FF durchlaufen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass an den Werktoren Schluss ist. Oft stellen sie ihre Spezialfahrzeuge und ihre Erfahrung im Schadensfall zur Verfügung. Die Angehörigen dort können sowohl hauptamtlich "nur" für die WF zuständig sein, als auch im Betrieb arbeiten und -wie bei den Freiwilligen Feuerwehren- bei Einsätzen alarmiert werden. Im Jahr 2010 gab es rund 1.200 Wehren dieser Kategorie.


 Pflichtfeuerwehr

 Eine Pflichtfeuerwehr entsteht in der Regel dann, wenn nicht genügend freiwillige Kräfte zusammenkommen, um den Brandschutz aufrecht zu erhalten. In diesem Falle steht den Gemeinde- oder Stadtgremien das Mittel der "Verpflichtung" zur Verfügung. D.h. es werden geeignete Mitbürger so lange zum Dienst verpflichtet, bis sich die personelle Lage entspannt und wieder eine Freiwillige Feuerwehr gegründet werden kann.

 sonstige Feuerwehren

Nicht vergessen darf man hier die privaten Feuerwehren, wie sie z.B. an Schulen vorkommen können. Die Odenwaldschule ist hier ein Beispiel in unserer Nähe. Auch gibt es z.B. im Kloster St. Ottilien bei München, eine eigene Feuerwehr, die von Mönchen besetzt wird.
Nicht staatlich anerkannt sind in Deutschland die Betriebsfeuerwehren, da sie eine reine betriebliche Gruppierung ohne staatliche Anordnung, darstellen. Sie werden meist aus versicherungstechnischen Gründen vorgehalten.